Augenärztliches Diagnostik- und Therapiezentrum
Dr. medic Omar Abo Basha
Dr. med. Danuta Kartharina Grützner

ORTHOPTIK (Sehschule/Schielen)

ZIEL DER BEHANDLUNG

„In der Sehschule geht es um die Vorsorge, Erkennung und Behandlung von Schielerkrankungen, Schwachsichtigkeiten und Augenzittern.“

Der vormals verwendete Begriff „Sehschule“ wurde von der Fachbezeichnung „Orthoptik“ abgelöst Die Bezeichnung „Orthoptik“ setzt sich aus den Worten Orthos = gerade, richtig, und Optik / Optein = Licht zusammen.

Unter „Orthoptik“ versteht man Abteilungen, in denen Orthoptistinnen / Orthoptisten in Zusammenarbeit mit Ärzten Bewegungsstörungen der Augen (Schielen), Augenzittern (Nystagmus), Sehschwächen (Amblyopien) und alle damit verbundenen Krankheitsbilder untersuchen und behandeln. Zudem werden Kinder zusätzlich zu den gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen und alle Altersgruppen mit Schielerkrankungen, Sehstörungen oder Sehbehinderungen betreut.

Der Beruf der Orthoptistin gehört zur Gruppe der medizinischen Fachberufe im Gesundheitswesen und wird nach dreijähriger Ausbildung mit staatlicher Anerkennung abgeschlossen. Ihre Aufgabe liegt in der Vorsorge, Erkennung und Behandlung von Schielerkrankungen, Schwachsichtigkeiten und Augenzittern.

Ziele der Sehschule sind:

  • Früherkennung von Sehfehlern wie Schielen, Schwachsichtigkeit, Augenzittern
  • Behandlung und Beseitigung der Sehschwäche
  • Verringern und oder beseitigen der Schielstellung
  • Verbesserung der beidäugigen Zusammenarbeit

Wichtig ist die Zusammenarbeit von Kindern, Eltern, Augenarzt und Orthoptistin!

Was ist Schielen?

Schielen ist eine Fehlstellung der Augen, die entweder dauerhaft oder immer wieder auftretend ist. Es handelt sich um eine Krankheit, die mit Doppelsehen verbunden sein kann und bei Nichtbehandlung im Kindesalter zur Schwachsichtigkeit (eines oder beider Augen) und zur Störung des beidäugigen und räumlichen / dreidimensionalen Sehens führt. Schielen ist kein Schönheitsfehler und wächst sich nicht aus! Daraus resultierende Folgen können eine eingeschränkte Berufswahl, Einschränkungen beim Führerschein und kosmetische Beeinträchtigungen sein.

Die Fehlstellung der Augen kann deutlich sichtbar, aber auch so klein sein, dass sie selbst aufmerksamen Beobachtern entgeht (Mikroschielen). Häufig schielt ein Auge. Sind beide Augen funktionell gleichwertig, kann es auch zu einem wechselseitigem Schielen kommen. Man unterscheidet zwischen Einwärtsschielen (Innenschielen), Auswärtsschielen  (Aussenschielen), Höhenschielen und Verrollungsschielen.

Wie entsteht Schielen?

Schielen hat viele Ursachen. Es kann z.B. familiär gehäuft vorkommen. Meist ist es jedoch sporadisch und kann durch Risikofaktoren, die in der Schwangerschaft oder bei Geburt auftreten, nach allgemeiner Schwächung des Körpers (z.B. durch Infektionskrankheiten, hohem Fieber, Kinderkrankheiten, nach Unfällen, seelischen Krisen) oder durch Ursachen, die beim Auge selbst zu suchen sind, ausgelöst werden.

Zu organischen Augenveränderungen gehören z.B. Brechungsfehler (Fehlsichtigkeit), Linsentrübungen, Tumore sowie Verletzungen.

Direkt nach der Geburt oder in den ersten Lebensjahren tritt das kindliche Schielen auf. Setzt ein plötzliches Schielen bei Erwachsenen ein, welches oft mit Doppeltsehen verbunden ist, liegt häufig eine Lähmung der Augenmuskeln vor oder ein zuvor verborgenes Schielen hat sich verfestigt.

Zudem nimmt die Zahl der Patienten mit belastungsabhängigen Störungen im beidäugigem Sehen zu. Die Beschwerden wie Kopfschmerzen, Lesestörungen, Ermüden der Augen, Konzentrationsschwäche, etc., stellen sich oft nach hohen Anforderungen in der Schule oder bei Arbeiten am Bildschirm ein.

Auswirkungen des Schielens auf das Sehen

In den ersten Lebensmonaten entwickelt sich das Sehen. Aus der anfänglichen Unschärfe werden klare Konturen und das direkte Ansehen von Objekten wird geübt. Flüchtige Fehlstellung sind in den ersten 1-5 Monaten kein Grund zur Beunruhigung.

Bis etwa zum 8-10 Lebensjahr bleibt das Sehen und die Zusammenarbeit jedoch noch verstärkt störungsanfällig. Aufgrund dessen kann innerhalb dieses Zeitraums ein dauerhaftes oder immer wieder auftretendes Schielen und / oder eine Fehlsichtigkeit starke Schäden anrichten, aber ebenso gut auch therapiert werden.

Sehen zwei gerade stehenden Augen auf ein Objekt, können die beiden nur leicht voneinander abweichenden Bilder vom Gehirn zu einem räumlichen Seheindruck verarbeitet werden.

Schielt ein Auge, so nimmt es durch die Fehlstellung ein anderes Bild wahr, welches im Gehirn nicht mehr zur Deckung mit dem Bild des gerade sehenden Auges verschmolzen werden kann. Es entstehen Doppelbilder. Im kindlichen Gehirn wird das störende, zweite Bild und somit der Seheindruck des schielenden Auges unterbunden. Das Auge nimmt nicht mehr am Sehakt teil und wird durch das Nichtbenutzen schwachsichtig = Amblyopie (Sehschwäche eines organisch gesunden Auges). Bei erwachsenen Schielern bleibt der doppelte Seheindruck, da ein Unterdrücken des zweiten Bildes nur in der Lernphase des Sehens möglich ist.

Anzeichen eines Schielens / einer Sehschwäche:

  • Auffälliges dauerhaftes oder immer wieder auftretendes Schielen
  • Augenzittern – Schiefhalten des Kopfes
  • Vorbeigreifen, Ungeschicklichkeit (z.B. Stolpern, Anstoßen)
  • Lichtempfindlichkeit, Augentränen
  • Unlust am Lesen, „Lesen mit der Nase“, Lesestörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Unscharfes / verschwommenes Sehen
  • Doppelbilder

grau-fragezeichenDIAGNOSTIK UND THERAPIE

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Diagnostik des Schielens / einer Sehschwäche

Bei Auffälligkeiten, spätestens jedoch zum zweiten Lebensjahr, sollte jedes Kind beim Augenarzt und ggf. in der Orthoptik vorgestellt werden. Entscheidend für die erfolgreiche Behandlung von Sehfehlern ist der Beginn einer frühzeitigen Therapie, da der Prozess der Sehentwicklung mit dem 8.-10. Lebensjahr irreversibel abgeschlossen ist. Zunächst erfolgt die Vorstellung beim Augenarzt. Es findet eine allgemeine Untersuchung statt. Danach wird eine ggf. bestehende Fehlsichtigkeit bei erweiterter Pupille objektiv ermittelt und mit einer Brille oder Kontaktlinsen versorgt, welche Einfluss auf die Größe eines eventuell vorliegenden Schielens haben kann.

Ablauf der Behandlung

Nach Vereinbarung erfolgt nun die orthoptische Behandlung. Die Orthoptistin untersucht die Augenstellung, die beidäugige Zusammenarbeit, die Beweglichkeit der Augen und die Sehleistung und Funktion jedes einzelnen Auges. Liegt ein Schielen vor, so hält sie das Ausmaß für folgende Untersuchungen zum Vergleich und für weitere Behandlungen fest bei Kindern mit Lernauffälligkeiten wird abgeklärt, ob Störungen des ein- und beidäugigen Sehens ursächlich sein können.

Anschließend stellt die Orthoptistin den Therapieverlauf auf:

  • Zur Behandlung einer Sehschwäche wird überwiegend die Okklusionstherapie angewandt. Mit Hilfe eines Augenpflasters oder einer  mattierten Folie für ein Brillenglas wird das besser sehende Auge abgedeckt, um das sehschwache Auge zu fördern. Teilweise erfolgt die Okklusion auch im Wechsel auf beiden Augen. Bei Unverträglichkeit gegen Augenpflaster können auch Augentropfen eingesetzt werden. Dauer, Häufigkeit und Länge der Behandlung wird individuell für den Patienten festgelegt.
  • Bei auffälligem Schielen ist ggf. zusätzlich eine Augenmuskeloperation erforderlich. Die Brille muss in der Regel auch nach einer Operation getragen werden.
  • Patienten mit Doppelbildern können befundabhängig mit prismatischen Folien oder prismatischen Brillengläsern versorgt werden, die wieder ein beidäugiges Einfachsehen ermöglichen.

Je nach Befund und gewählter Therapie werden die Kontrollabstände festgelegt, die oftmals bis zum ca. 14. Lebensjahr bei Kindern erforderlich sein können. Nach jeder Kontrollvorstellung wird die Therapie dem Krankheitsverlauf angepasst.

 

WICHTIGE HINWEISE

Die Behandlung erfolgt angeleitet durch die Orthoptistin in der Regel zu Hause und erfordert Disziplin und Ausdauer. Oft reagieren Kinder zunächst ablehnend auf eine Brille und akzeptieren das schlechtere Sehen bei Okklusion des guten Auges anfangs schlecht. Mit Einfühlungsvermögen und Konsequenz ist es an den Eltern, an der erfolgreichen Therapie mitzuwirken.